Leuchtturm
Stand: 03.10.2016  
Helgoland - Schlagworte

Schlagworte

Hier erkläre ich so nach und nach viele Begriffe, die in einem engen Zusammenhang mit Helgoland stehen.
Ist das Schlagwort unterstrichen, liegt darauf ein Link zu einem Bild.


Aade

Als "Die Aade" bezeichnet man den klingenden, in den Brandungswellen rieselnden Geröllstrand im Osten der Düne (Oststrand). Früher (so um 1900) war sie eine flexible, wandernde Landzunge aus angehäuften Lockergestein (überwiegend eiszeitliches Geschiebe), die den Sand aufnahm, der durch den Wellenschlag im Norden und Süden der Düne abgelöst und je nach Wasserbewegung und Strömungsrichtung zur Aade verfrachtet wurde. Heute ist sie durch die Küstenschutzmaßnahmen als Landzunge nicht mehr vorhanden und als Uferform weitgehend "ruhiggestellt". Bild 2 ,  Bild 3.
An diesem Steinstrand findet man mit etwas Geduld Versteinerungen (Donnerkeile, Seeigel und Ammoniten) und den einzigartigen "Roten Feuerstein".


Backsoalt   oder   Backsalt

So wird Fisch genannt, der nach alter Helgoländer Art konserviert wurde. Backsoalt bezeichnet das Einlegen von Dorsch ohne Kopf in einem Behälter aus Steinzeug (bis 25 l Volumen). Der Fisch wird lagenweise in den Behälter gelegt, darauf jeweils eine ordentliche Schicht grobes Meersalz, bis die Backsoalt-Tenn (Salzfischtonne) bis zum Rand gefüllt ist. Darauf wurde ein passender Holzdeckel gelegt, beschwert mit einem Ziegelstein. Der Behälter muß kühl und dunkel stehen. So ist der Fisch über einen langen Zeitraum haltbar, Mindestverweildauer: 6 Monate. Für eine Mahlzeit wird eine entsprechende Portion Fisch entnommen und muss 48 Stunden gewässert werden. Anschließend wird er wie Kochfisch zubereitet. Durch die Salzeinwirkung verändert sich die Fleischfarbe in leicht rosa. Dazu werden kleine Pellkartoffeln gereicht, dazu eine Speckstippe.
Wie der Windrii ist das eine uralte Methode, um Fisch lange haltbar zu machen. Hier und da erinnert man sich an diese kulinarischen Donnerschläge und es gibt auch wieder einige Insulaner, die diese Tradition aufleben lassen und es in ihren Restaurants anbieten. (Frank Botter)


Börte

Börte ist ein System des Ausbootens. Da es bis 1896 noch keine Landungsbrücke gab, mussten die Passagierschiffe an vorgesehenen Plätzen vor Anker gehen und die Reisenden ausgebootet werden. An Land wurden die Fahrgäste zunächst von sogenannten Stegleuten durch das Wasser hukepack an Land getragen. Später wurden dann fahrbare Stege benutzt, die man ins Wasser schob und an denen die Ruderboote anlegten. Die Passagiere konnten so bequemer aussteigen.
Es ist ein traditionell gewachsenes System, das organisatorisch die Fahrgäste von vielen Schiffen am schnellsten und sichersten an Land bringt. Der Begriff "Börte" stammt aus der Reihenschifffahrt (= Linienschifffahrt -» helgoländisch "Beurt-Schiffahrt").
 
Auf Helgoländisch sagten früher die Lotsen: "Ik ben uun'e beert = Ich bin (jetzt) dran" - so gelangte der Begriff in den Helgoländer Wortschatz. (vgl. Kapitän Erich-Nummel Krüss: "Fischer - Schiffe -Lotsen")



Börteboot

Die helgoländer Börteboote sind etwa 10 Meter lang, drei Meter breit, und etwa acht Tonnen schwer. Sie sind aus massiven Eichenholz gefertigt, haben einen innenliegenden Dieselmotor und sind knapp 8 Knoten ( 14 km/h) schnell.
 
Die Börteboote werden auf Helgoland "Rudder" genannt, und hauptsächlich im Sommer zum Personentransport (das sog. "Ausbooten") zwischen den auf der Helgoländer Reede ankernden Seebäderschiffen und der Landungsbrücke eingesetzt. Außerdem werden die Boote auch noch zum Hummer- und Knieperfischen, für Inselrundfahrten und zum Hochseeangeln eingesetzt.
 
70 bis 80 Prozent aller seit 1935 jemals gefertigten Börteboote wurden von der Freiburger Bootswerft Hatecke nach Entwürfen von Heinrich Hatecke gebaut. Das vorletzte Börteboot lief 1971 vom Stapel.
 
Die ersten Boote waren zunächst 6 Meter lang, später dann wurden die zehn-Meter Boote gebaut. Insgesamt hat die Firma Hatecke 41 Börteboote gebaut, die in Freiburg nur "Die Helgoländer" genannt wurden.
 
Nach jahrzehntelanger Börtebootbau-Pause wurde das vorerst letzte Boot mit sechs Metern Länge im Juni 2010 fertiggestellt. Es war ein Auftrag vom Hamburger Reeder und Schiffskaufmann Erck Rickmers, und schippert nun im Nordosten Italiens an der adriatischen Küste in den Lagunen und Kanäle von Venedig.
Bild 2 ,  Bild 3.


Bolzendahl'sche Chronik

Die große Helgoländer Chronik wird oft als die "Bolzendahl'sche Chronik" bezeichnet, und entstammt verschiedenen Quellen.
Die Bezeichnung "Bolzendahl'sche Chronik" verdankt sie der Familie Bolzendahl, in deren Besitz sie sich über ein Jahrhundert befand. Im Jahre 1936 erwarb die Gemeinde Helgoland die Chronik und brachte sie auf die Insel.
Ein Vergleich mit einer, im Besitz von Dr. med. Eduard Uterhark in Hamburg, einem geborenen Helgoländer und Besitzer einer der umfangreichsten Helgoländer Sammlungen, befindlichen alten Abschrift ergab, daß aus dem Original ein Doppelblatt mit den Aufzeichnungen der Monate Januar und Dezember 1721 entfernt worden war. Der Text wurde neu geschrieben und eingefügt. Die Wiederherstellung und den Einband der Chronik führte die 1938 Firma Johannes Gerbers in Hamburg aus. Noch ein Bild.
 
Hier wird diese Chronik von mir nach und nach online gestellt.


Bunker

Die Länge des gesammten Bunkersystems, die vor dem ersten bis zum zweiten Weltkrieg auf Helgoland gebaut wurden, belief sich auf etwa 15 Kilometer. Nach dem zweiten Weltkrieg wurden die Anlagen weitgehend zerstört. Von den eigentlichen Bunkeranlagen auf Helgoland ist heute nur noch ein Teil der zivilen Bunkeranlagen zu besichtigen. Die alten nicht vollständig zerstörten Zivilanlagen liegen etwa 14 Meter tief unter der Erde, und wurden Anfang der 60iger Jahre wieder hergestellt. Der Eingang liegt in unmittelbarer Nähe vom Haupteingang des Friedhofs bei der evangelischen Kirche, der Ausgang neben der katholischen Kirche. Karte.


Düsenjäger

-> siehe Millstätter Weg


Eiergrog

Eiergrog ist einer helgoländer Spezialität. Nirgendwo sonst habe ich ihn mit mehr Alkohol zubereitet bekommen, wie auf Helgoland.
Für einen originalen helgoländer Eiergrog benötigt man:
 
-  1 Eigelb
-  1 EL Zucker
-  4 cl - 8cl braunen Rum
-  eine Prise Zimt
 
Das Eigelb vom Eiweiß trennen, anschließend das Eigelb, Zimt und Zucker zusammen in einem vorgewärmten Eiergrogglas schaumig schlagen. Dann den Rum hinzufügen und mit heißem Wasser auffüllen.
 
Es gibt noch eine härtere Variante mit 4 cl Arak (ein ungesüßter Anisschnaps) und 4 cl braunen Rum. Und auch ohne die Prise Zimt schmeckt er einfach wunderbar!
Bei einigen Gastronomen auf der Insel gilt: Wer es schafft fünf Eiergrog zu trinken, bekommt den sechsten kostenlos.


Falm

Auch "Der Falm" und "Am Falm". Die Erklärung für dieses Wort kommt vom schwedischen Professor Nils Århammar, Direktor am "Nordfriisk Instituut" in Bredstedt.
 
Es ist die durch eine (Beton)Mauer gesicherte Straße auf dem Oberland, die entlang der östlichen Felskante verläuft. Dem helgoländischen Ursprung nach kommt das Wort von "bi / langs Fallem "  = am Falm, althelgoländisch "bi Fellum "  = an der Felskante, am steilen Abhang. Das Wort ist verwandt mit dem deutschen "Fels " und dem schwedischen "Fjäll ". Noch ein Bild.


Flugplatz

Der helgoländer Flugplatz liegt auf der Düne, und wurde erst 1962 in seiner heutigen Form aufgebaut. 1971 wurde das Flughafenrestaurant eröffnet, 1971 der neue Tower.
 
www.flughafen-helgoland.de und www.edxh.de
 
Vom Flughafen aus sind es etwa 900 Meter bis zum Fähranleger, diese Strecke kann man zu Fuß oder mit dem Dünentaxi zurücklegen. Vom Fähranleger aus pendelt die Dünenfähre "Witte Kliff" zwischen Anleger und Landungsbrücke.
 
Die Landebahnen sind aus Beton und X-förmig angelegt. Sie stammen zum Teil noch aus dem Zweiten Weltkrieg (Bj. 1941). Die von Nord-Ost nach Süd-West verlaufende Piste ist 371 Meter lang, die von Nord-West nach Süd-Ost verlaufende Piste ist 480 Meter lang. Diese wurde erst 2005 um 80 Meter verlängert.
 
Im Linienverkehr darf Helgoland aus Gründen der Flugsicherheit nur von mindestens zweimotorigen Flugzeugen angeflogen werden.
 
Bei solch kurzen Landebahnen werden als Passagierflugzeuge bevorzugt Maschinen vom Typ Britten-Norman BN-2 Islander eingesetzt, die aufgrund ihrer hohen Triebwerksleistung mit etwa 350 Meter langen Start- und Landebahnen auskommen. Sie kann bis zu einer Tonne Nutzlast transportieren und wird sowohl im Passagierdienst als auch als Frachtmaschine eingesetzt.
 
Zur Zeit fliegen vier Unternehmen die Insel an:
 
Die ODF (Ostfriesischer-Flug-Dienst GmbH) fliegt die Insel von zwei Flughäfen aus an: Heide/Büsum und Bremerhaven - je zweimal täglich, im Winter und im Sommer ab Bremerhaven sogar viermal täglich.
 
Air Hamburg fliegt ebenso Helgoland ganzjährig und täglich von Hamburg-Fuhlsbüttel aus an.
 
Die LFH (Luftverkehr Friesland-Harle) fliegt ab Harle (Landkreis Friesland, Niedersachsen) von Juni bis September immer donnerstags sowie in den Sommermonaten Juli/August zusätzlich mittwochs.
 
Die vierter Gesellschaft im Bunde ist die kleine Regional-Fluggesellschaft FLN (Frisia Luftverkehr), die von März bis Oktober dreimal wöchentlich von ihrem Flugplatz Norden-Norddeich sowie von den ostfriesischen Inseln Juist und Norderney nach Helgoland startet.


Friedhof der Namenlosen

Der "Friedhof der Namenlosen" der Insel Helgoland liegt auf der Düne. Er wurde auf der Düne mehrfach umgebettet. Vor ettlichen Jahren verlegte man ihn von seiner ursprünglichen Lage hinter dem Dünenrestaurant an seine heutige Position, süd-östlich vom Bungalowdorf.
Am alten Standort kam es (und kommt es auch heute noch) zu Dünenwanderungen, und damit regelmäßig zu Überdeckungen des Friedhofes. Um dies für die Zukunft auszuschließen, hat man den Standort in den jetzigen Bereich verlegt, der durch die Gehölze einen relativen guten Schutz vor Sandflug bietet.


Helgoland-Sansibar-Vertrag

Richtig heisst das Übereinkommen "Vertrag zwischen Deutschland und England über die Kolonien und Helgoland". Er wurde am 1. Juli 1890 in Berlin unterzeichnet, und wird umgangssprachlich auch gerne "Helgoland-Sansibar-Vertrag" genannt. In den Köpfen der Menschen hat sich festgesetzt, dass Deutschland mit Unterzeichnung des Vertrages Sansibar gegen Helgoland eingetauscht hat. Tatsächlich aber regelte dieses Vertragswerk die Beziehungen zwischen Gebiets- und Hoheitsansprüchen des Deutschen Reiches und dem Vereinigten Königreich von Großbritannien und Irland im kolonialisierten Afrika.
 
Sansibar ist zu diesem Zeitpunkt bereits ein freies Sultanat, und ist auch niemals eine deutsche Kolonie gewesen. Im Vorletzten Artikel des Vertrages verpflichtet sich Deutschland, die Schutzherrschaft Großbritanniens über die verbleibenden Besitzungen des Sultans von Sansibar mit Einschluss der Inseln Sansibar und Pemba sowie über die Besitzungen des Sultans von Witu und das benachbarte Gebiet bis Kismayu anzuerkennen, und seine eigene Schutzherrschaft zurückzuziehen.
 
Die Auslegung, dass die Inseln getauscht wurden, geht auf Reichskanzler Otto von Bismarck zurück, der damit das umfangreiche Vertragswerk seines Nachfolgers, Graf Leo von Caprivi, abwerten wollte. Noch ein Bild.


Jägerstieg

So heisst die steile Treppe links am Nordstrand beim Sportplatz, die mit 256 Stufen vom Strand auf das Oberland zum Klippenrandweg in Höhe von Boiens Liin (Boiens Leine) auf das Oberland führt.


Jonnys Hill

So heisst der Aussichtspunkt in der Mitte der Düne. Er wurde vom Düneninspektor John Krüß während seiner Amtszeit von 1971 bis 1996 aufgeschoben. Von dieser 10 Meter hohen Anhöhe hat man einen wirklich einmaligen Blick über die Düne. Noch ein Bild.


Juliusturm

Der Juliusturm ist ein ehemaliger Peilstand aus dem 2. Weltkrieg für die damals auf dem Oberland installierten zwei 30,5 cm Geschützstationen. Er wurde 1938 erbaut und hieß damals "Peilstand Süd". Er wird heute noch vom IWS (Institut für Werkstoffkunde und Schweisstechnik für Materialprüfungen) genutzt. Man findet ihn an der südlichen Spitze von Helgoland, hinter dem SAR Hubschrauberlandeplatz, am Ende des Wassersturzbecken beim Vorhafen, dort wo die Westmole in die Neue Westmole übergeht.Noch ein Bild.


Knieper

Das sind eine bekannte echte Helgoländer Spezialität. Es handelt es sich um die Scheren ("Kneifer") mit den Armen der Taschenkrebse. Sie schmecken fangfrisch am besten, und werden in vielen Restaurants gekocht & mit gebrochener Panzerung heiß serviert. Zu Portionen von etwa einem Kilogramm werden Toast oder Baguette, Butter und mehrere Saucen gereicht. Mit dem speziellen Knieperbesteck pult der Genießer das Fleisch aus den Scheren heraus. Als Getränk passt dazu am besten gut gekühlter Weißwein. 3 kG Knieper
 
Diese Helgoländer Spezialität wird für den Feinschmecker auf der Insel auch in anderer Form angeboten. Zum Beispiel als Kniepersuppe, Kniepercocktail, Kniepersalat (in Brötchen), Kniepersülze und Dorsch mit Kniepersauce. Sogar zu Ravioli, auf Pizza und als Maki-Sushi (mit einer Bambusmatte in Reis gerollte Stücke) wird das Fleisch verarbeitet.


Kringel

Kringel heisst der riesengroße Bombentrichter des Mittellandes am Invasorenpfad, der nach der Großsprengung am 18. April 1947 entstanden ist. In einem Teil von diesem Trichter liegt die Paracelsus-Nordseeklinik.
 
Weil er rund ist wie ein Kringel, wurde dieser große Bombentrichter von den Helgoländern kurz Kringel getauft.
 
Es gibt "im Kringel" und "am Kringel". "Im Kringel" ist das Mittelland, also im Trichter, "am Kringel" ist auf der Meeresseite das Trümmerfeld zwischen der Preußenmauer an der Westseite (Südwestschutzmauer) und Westmauer/Westmole (vom Südhafengelände) am Fuße des Mittellandes. Noch ein Panorama vom Kringel.
 
1964/65 hat man die Wasserseite des Kringels mit den Tetrapoden als Wellenbrecher, einer Spundwand und einem Betonholm gesichert. Nach über vierzig Jahren Erosion, sowie in dieser Zeit abgesackten und teilweise beschädigten Tetrapoden, wurde 2008 und 2009 "am Kringel" alles grundsaniert.
 
"Sathurnbrunn" sagt übrigens der Helgoländer Fischer, wenn er von der Wasserseite kommt und seine Körbe dort aussetzt.


Lange Anna

Die etwa 48 Meter hohe "Lange Anna" ist ein freistehender Brandungspfeiler, und wird von den Helgoländern "Nathurn Stak" (Nordhorn-Brandungspfeiler) genannt. Sie entstand 1860. In der vorspringenden Felswand entstand zunächst eine Brandungshohlkehle, die irgendwann durchbrach, und zu einem Brandungstor wurde. Das darüber befindliche Gestein (der Torbogen, oder das "Gatt") stürzte schließlich 1860 durch die Verwitterung ein. Noch ein Bild.
 
Der Name "Lange Anna" kam erst um die Jahrhundertwende vor dem Ersten Weltkrieg auf. In der Nähe des Felsens stand bis zum Zweiten Weltkrieg ein Tanzlokal, in dem eine hübsche, schlanke und hochgewachsene Kellnerin mit dem Namen Anna bediente. Sie wurde von den Einheimischen und Gästen "Lange Anna" genannt. Dieser Name soll dann auf den Nordhorn-Brandungspfeiler übertragen worden sein. Dieser Name gefällt mir persönlich auch viel besser, als "Nathurn Stak".


Maulbeerbaum

Der über 150 Jahre alte Maulbeerbaum steht an der Ecke Kirchstraße / Otto Bartning Straße. Er wird auch das "Wunder von Helgoland" genannt, weil er als einziger Baum den Bomben- und Granatenhagel überstanden hat, als die Engländer tonnenweise Bomben auf die Insel warfen. Obwohl fast zerstört, bekam alte Stumpf wieder frische Triebe. Er stand früher im alten Pastorat und beschirmte Liebespaare, die ohne Aufgebot und Formalitäten schnell heiraten wollten.


Marinesignalstelle

Die wie ein Flughafentower aussehende Marinesignalstelle neben dem Sendemast der Telekom auf dem Oberland ist unbemannt. Sie gehört dem Marineamt (das ist neben dem Flottenkommando eine der beiden Höheren Kommandobehörden der Deutschen Marine), und dient heute nur noch als Antennenträger für den Betrieb von automatischen Sendeanlagen. Sie wird aus aus Wilhelmshaven oder Bremerhaven fernüberwacht.


Millstätter Weg

Der Millstätter Weg wird von den Helgoländern auch "Düsenjäger" genannt. Er ist etwa 200 Meter lang, und führt mit 40 Prozent Gefälle vom Oberland, bei der Treppe an der Ecke Kirchstraße/Norder Falm/Am Falm hinab zur Kurpromenade, zum Heizkraftwerk/E-Werk. Umkehrt hat dieser Weg übrigens eine recht anstrengende 40prozentige Steigung...
 
Ein alter Helgoländer erzählt folgende Geschichte, wie der Düsenjägerweg zu seinem Namen gekommen ist:
 
In der Wiederaufbauzeit nach der Freigabe der Insel hausten Helgoländer und Arbeiter, oder vermutlich alle, die auf Helgoland waren, in Baracken am unteren Ende des Düsenjägers. Vor dem Schwimmbad standen dort noch sehr lange Zeit Wohnbaracken.
 
Damals soll es einen Helgoländer mit dem Namen "Hein Mück" gegeben haben (der Name ist aber nicht verbrieft!), der düste immer in einem Affenzahn den bequemsten Trampelpfad über den roten Schutt nach oben. Andere haben sich darüber lustig gemacht und gesagt, er würde rasen, wie ein Düsenjäger. Daraus wurde dann die feste Bezeichnung für diesen Pfad. Und auch als dieser Weg später zur Strasse ausgebaut wurde, hat er diesen Spitznamen behalten, und keinen offiziellen Straßennamen erhalten.
 
Erst als er am 9. Mai 1974 zu Ehren der österreichischen Partnergemeinde Millstatt getauft wurde, bekam dieser Weg seinen richtigen Namen "Millstätter Weg". Aber habt ihr auf Helgoland je gehört, dass er so genannt wird? ...


Pinneberg

So heisst nicht nur eine Stadt und ein Landkreis, sondern auch mit 61,3 Metern die höchste Erhebung auf der Insel. Auf der Spitze steht ein Gipfelkreuz. In dem aufklappbaren Kasten unter dem Kreuz lag mal ein Gästebuch...


Preußenmauer

Die brandungsabweisende sog. Preußenmauer wird auch Preußenwall genannt, ist etwa 1300 Meter lang und führt vom Kringel bis hin zur "Langen Anna". Sie schützt die Nord- und West-Küste und die vor den Kräften des Meeres. An der Langen Anna geht sie in die sogenannte Nordwest-Mole (manchmal auch Nordmole genannt) über. Die Preußenmauer wurde von 1904 bis 1927 erbaut, und ist an ihrem Fuß durchschnittlich 5 Meter dick. An vielen Stellen, vor allem im nördlichen Teil, zeigen sich durch Wettereinflüsse und Gezeiten schwere Schäden durch Erosion.


Radarstation

Die alte Radarstation im Nordwesten der Insel gehört der Luftwaffe. Die Radarantenne wurde etwa 2004 abgebaut. Heute ist es nur noch eine automatische militärische Funkanlage der Luftwaffe, die fernüberwacht wird.


Roter Feuerstein

Feuerstein ist ein hartes, sprödes, homogenes und sehr dichtes Kieselgestein. Er hat allgemein eine schwarze, graue, braune oder weiße aber auch gelbe Tönung. Aufgrund seines schaligen Aufbaus ist Feuerstein nicht gleichmäßig in alle Richtungen spaltbar, was ihn in der Steinzeit perfekt zur Herstellung von Waffen machte. Sein Härtegrad beträgt 7, und chemisch besteht er aus Siliziumddioxid.
 
Der Rote Feuerstein ist eine weltweit seltene geologische Besonderheit. Man kann ihn nur im Bereich der Düne von Helgoland (Oststrand -> Aade) finden. Bild 2    Bild 3    Bild 4
 
In polierte Scheiben geschnitten und in Silber gefasst, wird roter Feuerstein auf der Insel zu Schmuckstücken verarbeitet und verkauft.
 
Achtung VERLETZUNGSGEFAHR!!! Bitte KEINE Feuersteine am Strand zerschlagen, es entstehen messerscharfe Bruchkanten! Denkt an die Seehunde und Kegelrobben, die genau dort über die Steine robben, um sich in der Sonne auszuruhen. Außerdem gehen dort auch viele Menschen barfuß spazieren!


Rotes Wasser

Feinsedimente von den roten Buntsandsteinfelsen färben als Schwebeteilchen manchmal auf Helgoland das Wasser in ganz besonderen Rottönen. Bild 2  Bild 3


Rudder

-> siehe Börteboot


Scheibenhafen

Der Binnenhafen, dort wo die Sportboot-Tankstelle und die Hummerbuden liegen, wird von den Helgoländern auch Scheibenhafen genannt.
 
Der drei Becken umfassende Südhafen diente von 1908 bis 1916 der Kaiserlichen Marine, und von 1928 bis 1945 der Kriegsmarine als Kriegshafen. Im nördlichen Becken (heute der Binnenhafen, wo sich die Hummerbuden, die Bootstankstelle, der Zoll und die Gepäckabfertigungshalle befinden) lagen vertäut die floß-ähnlichen Schwimmkähne mit den Zielscheiben (große Tuchsegel mit einem Kreis als Markierung) für das Übungsschießen der Kriegsschiffe. Der Volksmund hat diese militärische Bezeichnung bis heute übernommen, und den Ursprung fast vergessen.


Sathurnbrunn

-> siehe Kringel


Sendemast

Der 115 Meter hohe Sendemast gehört der Deutschen Telekom und wurde im Jahr 2000 errichtet. Es handelt sich um eine Stahlfachwerkkonstruktion mit dreieckigem Querschnitt. Aufgrund der starken Stürme wurde der Mast mit drei Pardunen (Abspannseile für Sendemasten) gesichert. Er dient neben dem Richtfunk der Verbreitung von Hörfunk- und Fernsehprogrammen. Die Planung erfolgte durch die Firma "Windels Timm und Morgen" aus Hamburg, der Bau erfolgte durch die Firma "Turmbau Steffens & Nölle GmbH".
Noch ein Bild.


Tetrapode

"Tetrapoden" (=Vierfüßler) findet man sowohl auf der Hauptinsel, als auch auf der Badeinsel Düne. Sie sind etwa sechs Tonnen schwer und ungefähr 2,20 Meter hoch. Sie dienen als Wellenbrecher, und sollen die Kraft der Wellen, die gegen das Ufer schlagen, mindern. Tetrapoden können in jeder Größe und beliebigem Gewicht hergestellt werden, eine weitere gängige Größe ist 1,40 Meter. Diese wiegen dann ca. zwei Tonnen.


Vaterunser

Selbstverständlich gibt es auch das Vaterunser (katholisch) oder Unservater (evangelisch) auf Helgoländisch. Es ist übrigens das am weitesten verbreitete Gebet des Christentums und das einzige, das laut Aussage des Neuen Testaments Jesus selbst seine Jünger gelehrt haben soll.
   Heeregot, ii Foor, dear Di bes uun'e Hemmel!
   Haili skel wees Diin Neem.
   Diin Rik lat keem,
   Diin Wel skel djülle
   uun'e Hemmel en iip'e lir.
   Ii doagelik Brooad du is dollung,
   en ferdjiuw is ii Skül, as wi ferdjiuw wel din'n uun ii Skül stun.   
   En feere is ni wech fan Diin Wai.
   Foor moake is frai fan Büsterkens!

   Amen!
Dieses helgoländische Vaterunser steht auf einer Majolikaplatte in der Paternoster-Kirche (Vaterunser-Kirche) auf dem Ölberg in Jerusalem. Gestaltet wurde sie von dem Künstler Georges Sandrouni, einem aramäischen Christen aus Jerusalem. Unter der Tafel ist ein Kreuz angebracht, das in einem Stück aus dem Fels des Ölbergs von dem Muslimen Jamil Abdel Al-Shokor für St. Michael gefertigt wurde. Ein zweites Kreuz in derselben Ausführung ist unter der Michaelstatue vor der Helgoländer Kirche angebracht.
Mein Dank geht an Kapitän Ewald Bebber, der mir diese Informationen aus dem Abendblatt vom 15.04.2000 gegeben hat.
Bildquelle


Wasserfall

Der Katarakt ist ein Niederschlagsabfluss oder -ablauf, und befindet sich etwa auf der Hälfte des Millstätter Wegs. Hier stürzt das Oberflächenwasser ( auch Regen genannt) vom Oberland über diesen Ablauf in das Unterland. Er wird von den Helgoländern selbst "Wasserfall" genannt.
 
Das Oberflächenwasser wird übrigens in flachen Brackwasserbrunnen unter dem aufgeschütteten Sandgelände im Nordostland verrieselt, und nach einer weiteren Behandlung dann als Trinkwasser genutzt.


Wasserturm

Der weithin sichtbare futuristische silberne Wasserturm wurde 1972 für das Meeresökologische Laboratorium der BAH (Biologischen Anstalt Helgoland) erbaut. Er dient dazu, in den Versuchsaquarien ohne große technische Hilfsmittel einen höheren Wasserdruck aufzubauen, so wie er in größeren Tiefen herrscht.   Noch ein Bild.


Whisky

Whisky schafft es nur auf diese Schlagworte-Seite, wenn er etwas besonderes ist. Der Herald-Whisky von der Amrut Distilleries ist ein Whisky, der die ersten fünf Jahre seines Reifeprozesses in Bangalore / Indien auf einer Höhe von 920 m durchlaufen durfte. Anschließend wurden vier Malt-Whisky-Fässer über 9.000 Kilometer bis nach Helgoland geschifft, um 70 km vor der Küste auf Meereshöhe weitere 18 Monate auszureifen um dann schlussendlich 2010 abgefüllt zu werden. Eingefädelt haben dieses Projekt der deutsche Importeur Prineus und Helgoländer Niels Pförtner.
 
Das Ergebnis ist eine äußerst limitierte Auflage eines hervorragenden Whiskys und ein beeindruckendes Beispiele dafür, was ein Braumeister aus einem Bourbon-Fass herausholen kann. Er ist pur, kräftig und überzeugt mit ausgeprägten Vanillenoten und angenehmer Süße. Er riecht ein wenig nach Lakritz und leicht nach Teer, ganz schwach nach Torf und Muskat.
 
Hier meine ganz persönliche Verkostungsnote.
 
Wer heute noch so eine Flasche zu einem akzeptablen Preis erwerben kann, sollte zuschlagen. Einen Whisky mit so einem deutlichen Bezug zu Helgoland wird es wohl nie wieder geben.
 
Übrigens - ich bin schwach geworden - die letzte meiner zwei Flaschen ist halb leer...


Windrii

So wird Fisch genannt, der nach alter Helgoländer Art konserviert wurde. Windrii ist die Helgoländische Variante vom Stockfisch. Der frische Fisch (kleine Kabeljau, Schollen usw.) wird leicht gesalzen und dann zum Trocknen unterhalb der Dachrinne aufgehängt. Dies geschieht regelmäßig erst ab Oktober, anfang November, wenn die Insekten nicht mehr so aktiv sind. Bis in den März hinein kann der Fisch dort hängen bleiben. Er wird mit der Zeit knüppelhart. Man kann den Fisch dann roh essen, dazu werden Stücke abgeschnitten und z.B. zum Bier gereicht. Das nennt man auch Helgoländer "Kaugummi". Ist gewöhnungsbedürftig, schmeckt aber hervorragend.
Zum Kochen müssen die Fische gewässert werden. Danach erfolgt die Zubereitung ebenfalls wie Kochfisch. Wie der Backsoalt ist das eine uralte Methode, um Fisch lange haltbar zu machen. Hier und da erinnert man sich an diese kulinarischen Donnerschläge und es gibt auch wieder einige Insulaner, die diese Tradition aufleben lassen und es in ihren Restaurants anbieten. (Frank Botter)


Witte Kliff

Zum einen ist die "Witte Kliff" ein von der "Fassmer Werft" 1996 erbaute Tenderboot. Es verkehrt im Linienverkehr zwischen der Hauptinsel und der Düne.
Zum anderen steht der Begriff  "Witte Kliff" (= weißer Felsen) für einen ehemaligen Kalkfelsen auf der Düne. Von etwa 1350 bis 1626 wurden von ihm Muschelkalk und Gips kommerziell bis unter die Wasserlinie abgebaut. Über den verbliebenen Klippen bildete sich die Düneninsel.


Die hier aufgeführten Erklärungen habe ich bei Helgoländern erfragt oder aus dem Internet und aus verschiedenen Büchern zusammengetragen. Diese Aufstellung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder absolute Richtigkeit.

Falls ihr Fehler finden solltet, oder Informationen habt, die auf keinen Fall hier fehlen sollten, so schreibt mir bitte eine kurze Mail an
.

»Zurück«